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Rubrik: Jüdischkeit

Katharina Kellenbach

Als Gast im Haus der Debora

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Einige Teilnehmerinnen kamen zur Bet Debora Tagung als nichtjüdische Freundinnen, Journalistinnen, Lektorinnen, Partnerinnen, Pfarrerinnen oder Wissenschaftlerinnen. Für viele war es die erste Konferenz, in der nichtjüdische Frauen eine Minderheit blieben.

Es ist das große Verdienst der Organisatorinnen von Bet Debora, einen Raum geschaffen zu haben, in dem jüdische Frauen im Zentrum stehen und ihre Erfahrungen jenseits der patriarchalen Strukturen der religiösen Gemeinden und der christlich geprägten Mehrheitskultur artikulieren und diskutieren können. Die anwesenden Männer und Nichtjüdinnen waren in diesem autonomen, jüdisch-feministischen Kontext willkommen, enthielten sich aber im Großen und Ganzen der aktiven Teilnahme im Plenum, um unterschwellige Konflikte entlang der Scheidelinien Mann/Frau und jüdisch/christlich zu vermeiden. Wie leicht solche Konflikte ausbrechen konnten, zeigte sich in einer Kleingruppe zum Thema “Judentum als Berufung, religiöse und säkulare Identitäten.” Eine unbedachte kritische Äußerung einer nichtjüdischen Teilnehmerin über die zentrale Stellung des Holocaust in zeitgenössischer jüdischer Identität führte zur völligen Entgleisung der Diskussion. Ihre Wortmeldung wurde als Abwertung, Unverständnis und Gleichgültigkeit gegenüber der Tiefe der Zerstörung und des Verlusts verstanden, was heftigste Reaktionen hervorrief und jegliche weitergehende Diskussion des vorgegebenen Themas verhinderte. Mehrere solcher “Mißverständnisse” hätten die Qualität des Binnenraumes erheblich beeinträchtigt. Die Anwesenheit und Teilnahme von Menschen, die qua Geschlecht, Religion, sexueller Orientation oder Hautfarbe die Mehrheitskultur repräsentieren, kann leicht Defensivstrategien provozieren, die dann einen offenen Austausch verhindern.

Unsere Rolle als nichtjüdische Teilnehmerinnen (und Männer) war deshalb eine zurückhaltende und beobachtende, keine aktiv eingreifende. Ob und wann die Zeit kommt, das Gespräch zwischen den in Bet Debora organisierten Frauen und den solidarischen jüdischen Männern und nichtjüdischen Frauen aktiver zu gestalten, sei dahingestellt. Mein Hoffnung wäre, daß parallel zur Entwicklung einer selbstbewußt-europäischen, jüdisch-feministischen Bewegung, wie sie sich derzeit in Bet Debora etabliert, auch solidarische Strukturen entstehen, in denen Koalitionen wachsen können.

Katharina von Kellenbach ist evangelische Theologin und Associate Professor of Religious Studies am St. Mary’s College of Maryland.

European Conference of Women Rabbis, Cantors, Scholars and all Spiritually Interested Jewish Women and Men
Tagung europäischer Rabbinerinnen, Kantorinnen, rabbinisch gelehrter und interessierter Jüdinnen und Juden

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