Jacqueline Rothschild
Zusammenarbeit mit Konvertierenden
[English]
Wenn wir die Gefühle von Menschen verstehen wollen, die zum
Judentum konvertieren, und von denjenigen, die sie aufnehmen sollten die
Gemeindemitglieder müssen wir die Motivationen für den Übertritt kennen. Es
gibt eine Reihe von Beweggründen, konvertieren zu wollen. Das kann vielleicht
durch die Situation in der Familie bedingt sein:
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bei denen mit jüdischen Eltern, normalerweise dem Vater, aber ohne
jüdische Erziehung,
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bei denen mit jüdischem Familienhintergrund, was manchmal eher zufällig
entdeckt worden ist,
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bei denen, die eine dauerhafte Beziehung mit einem Juden eingehen wollen,
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bei denen, die in einer festen Beziehung mit einem Juden sind, mit oder
ohne Kinder.
Eine andere Gruppe hat aus religiösen oder psychologischen
Gründen das Verlangen, jüdisch zu werden, z.B. aufgrund des Studiums und
Verständnisses der Wurzeln des Christentums. Oder wegen des Schuldgefühls
hinsichtlich des Schicksals der Juden in der Geschichte und der Verstrickung
ihrer eigenen Familien in dieser (z.B. Kinder von Eltern, die im Widerstand
waren usw.) Und nicht zuletzt sind jene zu erwähnen, die in der Welt irgendwie
verloren gegangen sind und nach einem anderen, freundlicherem Ort suchen.
Natürlich können viel mehr Gründe und Ursachen aufgezählt werden, die oft
individuell sehr verschieden sind.
Die Reaktionen der Gemeindemitglieder auf neue und potentieller
Mitglieder sind gleichermaßen zahlreich und breit gefächert. Es kann das Gefühl
ehrlicher und aus dem Herzen kommender Freude aufkommen, wenn jemand der
Gemeinde beitritt, da sie oder er die klaffende Lücke füllt, die die Schoa
hinterlassen hat. Viele freuen sich, daß jemand mit Wissen dazustößt. Oder daß
aus einer gemischten Ehe oder Beziehung eine jüdische werden wird, oft gefolgt
von der Chuppa [Trauung] und möglicherweise von Kindern, die die jüdischen
Schulen besuchen werden usw.
Konvertiten können aber auch negative Gefühle hervorrufen - das
Gefühl, bedroht und überschwemmt zu werden oder der Situation nicht gewachsen zu
sein, weil viele Konvertiten und Konvertierende durch das Lernen über mehr
Wissen verfügen als richtige Juden. Es gibt Ängste über zu viele Fremde,
über Menschen, die unsere Familie und unsere Geschichte nicht kennen;
rassistische Ängste über zu viele Neue, die unser jüdisches Blut verwässern.
Oft ist es schwierig, eine Harmonie zwischen den starken
Gefühlen der zwei beteiligten Gruppen herzustellen. Darum ist Konversion viel
mehr als nur Lernen. Es geht um Integration, gegenseitiges Verstehen und die
Einbeziehung aller positiven und negativen Gefühle auf beiden Seiten, die
mit einer derart komplexen inneren Veränderung einhergehen.
Jacqueline C.
Rothschild-Frankenhuis, geboren in den Niederlanden, lebt heute in Berlin. Sie
unterrichtet Kandidatinnen und Kandidaten für den Giur [Übertritt zum Judentum].
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