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Journal 2 - 2001 |
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Salean Maiwald Es darf pathetisch klingen: Daß ich zur richtigen
Zeit am richtigen Ort bin und hier in Berlin konvertieren konnte, löst
immer noch die schiere Freude in mir aus. Punkt. Daran können auch
noch einige Kommentare von jüdischen Freunden und Bekannten nichts
ändern: "Nun bist du eine große Sorge", "Willst
du nicht auch noch eine Schwarze werden?" und: "Wenn du schon
konvertieren mußt, hättest du dir doch eine 'nettere' Religion
aussuchen können?". Über die Gründe könnte ich einen Roman schreiben. Vielleicht mache ich das auch einmal. Vorab ein paar Stichworte aus dem ungeschriebenen Manuskript. Ich fühle mich oft als Archäologin im Geiste, mich interessieren Wurzeln - und ich wollte zurück zur Ursprungsreligion mit ihrem reichen rituellen Leben. Es bewegt mich, wie die Zeit eine andere Dimension erhält, wenn auf einer Seite im Talmud Diskussionsteilnehmer aus verschiedenen Jahrhunderten präsent sind durch ihre Beiträge in hebräischer Sprache. Immer wieder versetzt mich der "Hebräische Sprachkörper", ich kann es nicht anders bezeichnen, in Erstaunen. Das Hebräische mit seinen mystischen Dimensionen ist viel mehr als eine Sprache. Doch ermöglicht die Sprache selbst als reines Mittel der Kommunikation, daß Juden, ob Fremde oder Ansässige, sich in jeder Synagoge der Welt heimisch fühlen können, da der Gottesdienst überall in Hebräisch stattfindet. Wo sie sich heimisch fühlte, wußte auch Ruth, eine der aktiven Frauen in der Hebräischen Bibel, die mich ansprechen. Ruth beharrt auf ihren Willen, ließ sich nicht wegschicken. Tamar "holte" sich, was ihr nach dem Leviratsrecht zustand, ließ nicht zu, daß ihr Schwiegervater ihr Leben zerstörte. Wehmutstropfen: Werde ich nach meinen leiblichen Eltern gefragt und sage offen, daß ich Wahljüdin bin, kommt manchmal ein zweifelnder Blick, ein gedehntes "ach sooo...", und Trennwände drohen sich aufzurichten. Doch meist, wenn ich dem Blick nicht ausweiche, und mein Gegenüber mich, oder die eigenen Vorbehalte, blitzschnell abcheckt, kommt es zu einem vorsichtigen Lächeln. Das Lächeln erstarrt mir allerdings, werde ich Zeuge des Spiels "Wer ist am Jüdischsten in der Gemeinde?". Mitspieler: Wahljuden, Juden mit jüdischer Mutter oder jüdischem Vater und - "reinrassige Juden". Als solchen bezeichnete sich kürzlich ein junger Mann in einer Synagoge. Da fehlen mir erst einmal die Worte. Salean A. Maiwald lebt als Schriftstellerin und Malerin in Berlin. |
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