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Zazie de Paris Es hat immer Möglichkeiten gegeben, eine Frau zu sein. Ich komme zum Glück aus einer künstlerischen Familie und hatte als Junge - erst in Frankreich und dann in Israel - viele Möglichkeiten, mich als Mädchen auszudrücken. Ich hatte z.B. bei meiner Patentante Balletunterricht. Wenn ich vor 300 Jahren geboren worden wäre, hätte ich mir einen Beruf ausgesucht, in dem ich als Frau akzeptiert und gar nicht weiter aufgefallen wäre - wahrscheinlich wäre ich Händlerin geworden, auf dem Markt, mit Stoffen, Seide und Schmuck... auf den Wegen der Seidenstraße. Meine biblischen Lieblingsheldin ist die Königin von Saba. Sie war außerordentlich klug und schön, sie kam aus einer anderen Kultur, dem Jemen, und zog nach Jerusalem, um König Salomos Weisheit zu testen. Es war natürlich eine Liebesbegegnung. Ich glaube an die großen Liebesmythen. Jüdische Klischees? Was sind Klischees? Es ist doch kein Klischee, wenn eine jiddische Mame eine jiddische Mame ist! Und natürlich müssen alle kleinen jüdischen Jungen auch kleine Einsteins sein. Was ist daran Klischee? Gott hat mich als Frau erschaffen. Mit dem Wort "Transgender" habe ich Probleme. Bloß weil es derzeit diese Welle gibt, mache ich doch noch nicht mit! Ich bin ganz einfach eine Frau. Punkt. Auch das Wort "transsexuell" gefällt mir eigentlich nicht, weil es dich auf den Sex reduziert. Aber du bist doch mehr als dein Sex! Eine Geschlechtsumwandlung zu machen, bedeutet, dich für einen Prozeß zu entscheiden, in dem du dich als Frau entwickelst und entfaltest. Ich bezeichne diesen Weg als "Metamorphose". Am Anfang bist du wie eine Raupe. Aber du entwickelst dich zu einem schönen, farbenprächtigen Schmetterling. Der Weg zwischen diesen beiden Polen ist jedoch sehr schmerzhaft, mit viel Selbsthaß auf alles, was an dir noch männlich ist. Viele stehen das nicht durch, gerade in der Zeit der Hormonbehandlung haben Transsexuelle die höchste Suizidrate. Inzwischen hat mich meine Familie akzeptiert. Anfangs war es natürlich eine Katastrophe. Religion spielte keine Rolle. Meine Eltern waren beide atheistische Kommunisten - aber trotzdem... Meine Mischpacha heute sind die Menschen, die ich mir selber wähle. Das sage ich nicht als Transsexuelle, sondern als Künstlerin und als Mensch. Ich finde den Freundschaftsschwur mit allen, die mir begegnen, viel wichtiger als die Ehe. Meine Familie entsteht, indem ich meine Talente als Schauspielerin, als Sängerin weitergebe. Zazie de Paris (Solange Dymensztein) lebt heute als Schauspielerin und Sängerin in Berlin. |
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