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Jael Botsch-Fitterling Grußwort zur Eröffnung der Tagung Sehr verehrte Frauen-Ministerin Bergmann, liebe Rabbinerinnen, sechs Rabbinerinnen sind hier, liebe Kantorinnen, sehr geehrte Herren und Damen, liebe Freundinnen des Bet Debora, als eine von vier Repräsentantinnen der JüdischenGemeinde zu Berlin habe ich heute die Gelegenheit - die Ehre, die Freude -, Sie, die Teilnehmerinnen der zweiten Tagung von Bet Debora hier in Berlin zu begrüßen. Ich möchte eigentlich niemanden besonders begrüßen. Ich meine nämlich, daß jede Teilnehmerin bedeutend für Bet Debora ist, und aus ihrer jüdisch-weiblichen Lebenserfahrung gleich viel beizutragen hat und beitragen wird. Ich begrüße also jede einzelne von Ihnen persönlich und wünsche ali-vehazlichi eschet chajil. Wir Frauen schaffen es, Schritt für Schritt die Rechte der Frauen 3.000 Jahre nach König David den realen Lebensbedingungen anzugleichen, uns dieselben Rechte zu erkämpfen, wenn auch immer wieder Rückschläge zu verzeichnen sind. In den diesjährigen Wahlen zur Berliner Repräsentanz (Parlament, d.H.) der Gemeinde wurden bei 23 Prozent kandidierender Frauen lediglich 19 Prozent gewählt. Und die ersten fünf Nachrücker - raten Sie - sind alles Männer. Und wenn auch bei den 13 inzwischen vergebenen Positionen nur zwei Frauen (15 Prozent) daran teilhaben (eine Frau im 8-köpfigen Vorstand und eine Frau im 5-köpfigen Präsidium des Gemeindeparlamentes, d.H.), trotzdem: die Bedeutung der Frauen nimmt zu und zu und zu. Wen wundert es, daß zuweilen Männer die Bremse anzuziehen versuchen. Weaf al pi chen - es wird eben immer weniger ungewöhnlich, eine Frauenstimme jüdisch-liturgische Gesänge vortragen zu hören. Immer häufiger stehen Frauen auf der Bima, als Chasaniot - ja sogar als Rabbaniot - wohlbemerkt nicht als Rebbezen. Und ganz normal ist es, daß die Mädchen Bat Mizwa machen. (Erst in dieser Woche teilte stolz Lea Simon, die Tochter unseres Gastgebers, Dr. Hermann Simon, mit, daß sie erste in ihrer Familie ist, die Bat Mizwa macht.) Und keine Frau wird es sich verbieten lassen, Kaddisch zu sagen. Mit der Änderung des Lebensraums Familie, weg von der Großfamilie, hin zu Familien in standardisierten Dreizimmer-Wohnungen schwindet synchron der Mythos von der Frau für Heim und Herd. Die Realität fordert die selbstbewußte, emanzipierte Frau heraus, die Verantwortung und Kompetenz in der Ausgestaltung des Lebens in allen Bereichen übernehmen will, übernehmen kann und übernimmt. Wer Iwrit kennt, weiß, daß die grammatikalisch männlichen Formen weibliche Akteurinnen einschließen, bestimmt nicht ausschließen. Dajenu!!! - Es reicht, daß Männer die Mizwot, etc. selbstgefällig interpretieren. Die Zeit ist reif, daß Frauen sich für die eigene Sache engagieren. Wir Frauen wissen auch, was unsere Tora über die Rechte und Pflichten des Menschen ganz allgemein sagt: Die nach Geschlechtern differenzierte Hierarchisierung von Mizwot läßt es nicht zu, automatisch im Gegenzug auf Frauen bezogene Verbote herauszulesen. In diesem Sinne und in der Tradition der Berliner Vorkriegsgemeinde wünsche ich der Tagung viel Kampfesgeist entsprechend dem Vorbild der Rabbinerin Jonas und dies auch in unserer heute doch viel glücklicheren Zeit, in der keine direkte Bedrohung herrscht - in Krisenzeiten sind Menschen meist großzügiger, ja toleranter. Naschot Bet Debora Chiski we'emazi bat Jisrael! Frauen von Bet Debora, Interessante, diskussionsfreudige, erfolgreiche Arbeit in fröhlicher Geselligkeit wünsche ich den Organisatorinnen, die erfreulicherweise solidarisch-paritätisch zu zweit - wohl auch sonst ungewöhnlich - auftreten, und den Teilnehmerinnen der zweiten Tagung von Bet Debora. Jael-Botsch-Fitterling ist Mitglied des Präsidiums der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. |
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