Journal 2 - 2001
Zeitläufe

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Lara Dämmig
Jüdische Namen

"Name ist Schall und Rauch" - dieses Zitat aus Goethes Faust ist längst schon als geflügeltes Wort in die deutsche Sprache eingegangen. Ob diese Redewendung tatsächlich die Einstellung vieler Menschen widerspiegelt, möchte ich bezweifeln. Werdende Eltern beraten sich oft über Monate, bevor sie sich für den Namen ihres Kindes entscheiden. Meist soll dieser zeigen, mit welcher Kultur die Eltern sich verbunden fühlen, welche Hoffnungen und Wünsche sie mit der Geburt ihres Kindes hegen, in welcher Tradition sie sich sehen, welcher Familie sie angehören. Welche Bedeutung der Name hat, wird uns auch in der Parascha [Tora-Abschnitt] "Lech Lecha" vor Augen geführt. Im Alter von 99 Jahren erscheint Abram Gott: "Sieh, mein Bund besteht mit Dir, und Du wirst werden zum Vater einer Vielzahl von Völkern. Darum sollst Du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll Dein Name sein; denn zum Vater einer Vielzahl von Völkern habe ich dich bestimmt." (Gen. 17:4 - 5) Und später steht geschrieben: "Sarai, dein Weib, sollst du nicht mehr Sarai nennen, sondern Sara, Fürstin, soll ihr Name sein." (Gen. 17:15) Wir erleben hier Namensgebung als konstitutiven Akt, der den neuen Status von Abraham und Sara widerspiegelt.

Wenn Eltern ihren Kindern jüdische Namen geben, wollen sie auf diese Weise deren Status innerhalb der Gesellschaft, deren Zugehörigkeit zum jüdischen Volk verdeutlichen. Was aber ist ein jüdischer Name? Welche Namen trugen und tragen Jüdinnen und Juden in Vergangenheit und Gegenwart? In seinem 1837 erschienenen Buch "Namen der Juden. Eine geschichtliche Untersuchung" zeigt Leopold Zunz [1797 - 1886, einer der Begründer der Wissenschaft des Judentums] auf, dass bereits im 6. und 5. Jahrhundert vor der Zeitrechnung unter den Namen der Juden manche anzutreffen sind, die nicht hebräisch sind. "So zeigt denn jene Zeit… kaum ein Festhalten an alterthümlichen Namen; ein jeder folgte, wie das Bedürfnis ihn antrieb, dem Fortgange der lebenden Sprache, und die Empfindung dufte frei mit dem Wortschatz walten." Über die Jahrhunderte und Jahrtausende macht sich bei der Namensgebung der Juden der Einfluss der Kulturen, von denen sie umgeben waren, geltend. Fremde Namen wurden übernommen und umgewandelt, hebräische Namen erfuhren lautliche Änderungen oder Übersetzungen, geschichtliche und lokale Vorgänge fanden ihren Niederschlag.

Ich selbst habe weder einen als jüdisch geltenden Vornamen noch einen jüdischen Nachnamen. Mein Vorname stammt aus dem Land, in das meine Großeltern emigrierten und in dem meine jüdische Mutter geboren und aufgewachsen ist, mein Nachname ist der meines nichtjüdischen Vaters. Durch meinen Namen ist mein Jüdischsein nicht offensichtlich. Dennoch steht er für die Geschichte meiner Familie, für die Geschichte der Jüdinnen und Juden in dem Land, in dem ich lebe.

Lara Dämmig ist Initiatorin von Bet Debora

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