Journal 3 in 2003
Unser Erbe

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Edna Sovin
Abruptes Ende

Zum Autakt der Tagung weihte Bet Debora eine Gedenktafel zu Ehren von Bertha und Hermann Falkenberg an ihrem letzten Wohnort in der Lottumstraße 22 ein. Aus diesem Anlass kam deren in London lebende Enkelin Edna Sovin nach Berlin. Am Vorabend der Einweihung (21. Mai) hielt sie eine Rede im Kulturamt Prenzlauer Berg. Sie sprach über ihre Erinnerungen an ihre Großeltern und ihr Verhältnis zu Berlin.

Guten Abend. Zuanfangs möchte ich meinen Dank dafür aussprechen, Ihnen etwas aus der Familiengeschichte von Hermann und Bertha Falkenberg erzählen zu können. Darf ich mich zunächst einmal vorstellen? Ich heiße Edna Sovin und bin das einzige Enkelkind der Falkenbergs. Sie hatten zwei Kinder, Paul war ihr erstes Kind und meine Mutter, Hanna, ihr zweites.

Ehe ich fortfahre, möchte ich zwei weitere Mitglieder der Familie willkommen heißen, die es möglich gemacht haben, heute Abend hier anwesend zu sein. Meine liebe Tante, Lotte Falkenberg, ist eigens aus New York angereist, um ihren verstorbenen Ehemann Paul zu vertreten. Außerdem ist mein Vetter Gerhard hier, der tatsächlich den Namen Falkenberg trägt. Sein Großvater war Hermanns älterer Bruder Adolph.

In den vergangenen Jahren ist viel über die Übertragung des Holocaust-Traumas von einer Generation auf die nächste geschrieben worden. Es gibt inzwischen eine wahrhafte Flut von Erinnerungsberichten sowie ein eigenständiges Genre von Romanen und Filmen über den Holocaust.

Meine Eltern gehörten hingegen jener Gruppe von Flüchtlingen und Überlebenden an, die die Mehrheit ausmachten, das heißt, sie sprachen nur selten von ihren Eltern oder von der Vergangenheit. Hin und wieder, etwa bei der Vorbereitung eines Sederabends oder eines bedeutenden Geburtstags, wurden in ihnen Erinnerungen an frohe Familienfeste ihrer Kinderzeit oder an alte Familienscherze wachgerufen. In solchen Momenten begann auch ich zu ahnen, welch eine ausgedehnte, lebensfrohe, geistig und gefühlsmäßig engagierte und schöpferische Familie die Falkenbergs doch gewesen sein müssen. Sie ließen sich zu den Familienfeiern Theaterstückchen und Gedichte einfallen, beherrschten in Wort und Schrift viele verschiedene Sprachen; sie waren weitgereist und interessierten sich für alle Aspekte jüdischen Lebens und weltlicher Kultur. Solche Augenblicke waren jedoch selten und von kurzer Dauer, etwa Momentaufnahmen vergleichbar, lediglich kleine Einblicke in eine heitere Welt, die für immer entschwunden war.

Zu meiner Kindheit bestand meine Familie nur mehr aus drei Menschen - Vater, Mutter und Kind. Es gab da noch einen Onkel, Paul, und dessen Frau im entfernten New York, sowie einen weiteren Onkel, den Bruder meines Vaters in London. Sie waren kinderlos. Die Freunde meiner Eltern, die alle Flüchtlinge waren, hatten keine Kinder meines Alters.

Zu der Zeit, als Lara die Verbindung zu mir aufnahm und sich ein Briefwechsel über die von mir geerbten Papiere und Unterlagen entwickelte, war mir nur wenig über meine Großeltern bekannt. Erst durch Lara und ihre Nachforschungen wurde mir bewusst, was für ungewöhnliche Menschen sie gewesen waren. Sie hat mir gegenüber viel Geduld an den Tag gelegt. Ich fing an, die zerknitterten Papiere durchzusehen und zu lesen und sie in eine gewisse Ordnung zu bringen, wobei ich in derartige Depressionen verfiel, dass ich sie oft aus der Hand legen und mich anderen Dingen zuwenden musste. Es sollte dann geraume Zeit dauern, bis der Wunsch zu lernen und zu verstehen wieder stärker wurde als der Schmerz.

Je mehr ich las, umso mehr war ich gezwungen, mir nicht allein bewusst zu werden und nachzuempfinden, wie sehr meine Großeltern und Eltern gelitten hatten, sondern auch wie viel mir selbst abhanden gekommen war. Zunächst einmal all das, was mit dem Raub der Generation der Großeltern einhergeht; der Verlust an Zuneigung, an emotionaler Geborgenheit und Fürsorge für die Eltern und durch diese auch für mich, ihr Kind. In meiner Generation ist dies so alltäglich, dass es kaum jemals zur Kenntnis genommen wird, und für meine Altersgenossen scheint es der Normalfall zu sein.

So stehe ich nun hier in Berlin, der Stadt meiner Geburt, und muss mich auseinandersetzen mit dem abrupten Ende, das meiner Familie gesetzt wurde, mit dem Verlust des Weiterbestehens, der Erinnerung und Kultur. Zerrissen war auch die Gemeinschaft, wie sie meine Großeltern und die weitläufige Familie mir und meinen Kindern hätten bedeuten können.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen ein wenig von dem geschichtlichen Hintergrund dieses interessanten Ehepaars Bertha und Hermann schildern.

Hermann war in einer großen Familie in Schlochau, einer kleinen ostpreußischen Stadt, in großer Armut aufgewachsen. Wir sind im Besitz eines wundervollen Andenkens an seine Kindheit, das er als Geburtstagsgeschenk für seine beiden Kinder aufgezeichnet hatte. In seiner Jugend wurden ihm drei Gnaden zuteil. Als erstes war es ihm vergönnt, als einziges von vier Geschwistern eine Diphtherieepedemie zu überleben. Des weiteren kam er, dank des damaligen Verlaufs der Staatsgrenze, in den Genuss einer guten, weltlich ausgerichteten Erziehung, die ihm den Zugang in die moderne Welt ermöglichte.
Schlochau führt jetzt einen anderen Namen und gehört zu Polen. Nicht zuletzt war Hermanns Mutter eine couragierte Frau, der, wenn auch selbst ohne besondere Bildung, der Erfolg ihres Sohnes am Herzen lag. Sein Weg führte ihn schließlich nach Berlin, wo er die Lehrerin Bertha Ginsberg kennenlernen sollte. Sie war sieben Jahre jünger als er und das älteste von drei Kindern einer bürgerlichen Familie, die bereits seit Generationen in Berlin ansässig war. Berthas Großvater, Heinrich Joachimsohn, war Sprachlehrer und allgemein unter dem Namen "Monsieur Henri" bekannt. Als solcher erscheint er in dem Erstlingsporträt des bekannten impressionistischen Malers Max Liebermann, der als Student bei der Familie logierte.

Bertha hatte eine jüngere Schwester, Hanna, und einen kleinen Bruder, Siegfried. Unter dem Rufnamen Friedl sollte ihm ein wundersamer Lebensweg beschert sein. Er überlebte als einziger einer Kompanieabteilung, die während des Ersten Weltkriegs auf dem Balkan in Gefangenschaft geraten war. Irgendwie gelang es ihm und seiner Frau, sich während des Zweiten Weltkriegs zu ihren Kindern nach Israel durchzuschlagen. Dort begründeten sie und ihre beiden Kinder eine Familiendynastie. Obwohl mir genaue Zahlen nicht vorliegen, leben bis heute etwa vierzig bis fünfzig Abkömmlinge auf Kibbutzim im Norden Israels. Ich kam ziemlich oft mit Friedl zusammen und bat ihn, so viel wie möglich von der Familiengeschichte niederzuschreiben. Zum Glück hatte er ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Außerdem verfügte er über eine gute Portion von Selbstbewusstsein und Charme, wie sie wohl auch Bertha zueigen war. Meine Mutter hat oft bemerkt, dass die Generation aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg über weitaus mehr Vertrauen in ihre Umwelt verfügte als spätere Generationen.

Nach ihrer ersten Begegnung mussten Hermann und Bertha warten, bis seine beiden Schwestern Ehepartner gefunden hatten. Erst dann konnte Hermann genug beiseite legen, um seiner Braut ein Heim zu schaffen. Nach sieben Jahren fand die Hochzeit statt und dann wurden die beiden Kinder dem Ehepaar geboren, dessen wir heute Abend gedenken. Zwei Themen waren in der Familie tabu. Einmal Geld - sie kannten die Grenzen, die ihnen bei dem Gehalt eines Lehrers gesetzt waren, nur zu gut und richteten sich danach. Krankheiten kamen ebenfalls nicht zur Sprache. Es ist schon eine Ironie des Schicksals, dass ihre Tochter, meine Mutter, Ärztin wurde und später einen Hypochonder heiratete - meinen Vater Fritz. Und mir wurde bereits in jungen Jahren klar, dass man nur über irgendwelche körperlichen Schmerzen zu klagen brauchte, um die Aufmerksamkeit meiner schwer beschäftigten Mutter auf sich zu lenken.

Leider erlag Hermann im Jahr 1936 einem Herzleiden. Ich frage mich manchmal, ob sein Herz vielleicht nicht unter der furchtbaren Enttäuschung gelitten hatte, die ihm daraus erwuchs, dass Deutschland, zu dem er sich stets bekannt hatte, ihn als bekennenden Juden ablehnte.

Nach Hermanns Tod siedelte Bertha aus der Lottumstrasse mit ihrer unverheirateten Schwester Hanna Ginsberg nach Charlottenburg über. Als dann meine Eltern, die jüngere Hanna und Fritz Beerman, heirateten, zogen sie alle zusammen. Und in diesem Haushalt sollte ich die ersten acht Monate meines Lebens verbringen, während meine Eltern verzweifelt einen Fluchtweg in die Sicherheit suchten. Ich brauche meinen Zuhörern über die Schrecken dieser Zeit sicher nichts zu erzählen, und meine Eltern selbst haben sich nicht viel darüber geäußert.

Und doch habe ich ein paar Anekdoten im Gedächtnis bewahrt. Eine gibt wieder, wie meine Mutter verängstigt meinen Vater anfloh, sein geliebtes Gewehr, seinen Fotoapparat und sein Fahrrad befehlsgemäß abzugeben. Eine weitere Einzelheit, die ich von meiner Mutter erfuhr, bestand darin, dass die Männer zeitweise nachts nicht nach Hause kamen, um der Verhaftung zu entgehen. Sie übernachteten dann bei Freunden, da die Nazis jewels nur die Bewohner einer Wohnung verhafteten, die dort gemeldet waren, aber nicht etwa Besucher, für die keine Meldung vorlag. Ich, die ich in England aufgewachsen war, fand diese bürokratische Einstellung sehr seltsam.

Schließlich gelangten meine Eltern in den Besitz von Transitvisen nach England unter dem Vorbehalt, dass sie in die Vereinigten Staaten weiterreisen würden. Als ich Mitte dreißig war, versuchte ich mir vorzustellen, was es für meine Eltern im gleichen Alter bedeutet haben muss, ihrerseits die Eltern zurücklassen zu müssen. Jetzt, da ich selbst so alt bin wie meine Großeltern damals, ertrage ich nur schwer den Gedanken daran, wie diesen zumute gewesen sein muss.

Im Mai 1939 kamen meine Eltern mit mir in England an und im September desselben Jahres brach der Krieg aus. Wie alle anderen "feindlichen Ausländer" wurden wir in Internierungslager überführt. Man brachte uns in ein solches Lager auf der Isle of Man - einer bezaubernden kleinen Insel mitten in der See zwischen England und Irland. Meine Mutter und ich befanden uns außerhalb von London, als wir festgenommen wurden, und es sollten Wochen vergehen, ehe meine Eltern vom Aufenthaltsort des Ehepartners erfuhren, und viele Monate, bis sie wieder zueinander fanden.

Auf meine Frage, ob sie nicht Angst gehabt hätte, ob sie nicht eine ähnliche Verhaftung wie in Deutschland befürchtet hätte, zuckte meine Mutter nur die Schultern und sagte, - naja, es war eben anders. (Inzwischen ist mir klar geworden, dass der Terror, dem die Menschen damals ausgeliefert waren, sich ihrer zu sehr bemächtigt hatte, als dass sie in späteren Jahren davon hätten sprechen können.)

Nach zweieinhalb Jahren Internierung wurden wir freigelassen und meine Eltern durften nach London zurückkehren und unter gewissen Einschränkungen der Bewegungsfreiheit ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Mein Vater fand Arbeit in Maschinenfabriken und meine Mutter konnte wieder als Ärztin praktizieren. Sie war im Osten von London tätig, durch Zeiten schwerer Bombenangriffe, und machte während der Verdunklung Hausbesuche bei ihren Patienten. Auch darüber hat sie nie gesprochen.

Schon bald nach unserer Rückkehr nach London wurde ich, wie viele Tausende anderer Kinder, evakuiert - man brachte uns in sicherer Entfernung von London und den schlimmsten Bombardierungen unter. Ich wurde von freundlichen Fremden aufgenommen. Meine Eltern durfte ich einmal im Monat auf ein paar Stunden sehen, wenn sie London für einen Tag verlassen konnten.

Endlich war der Krieg zu Ende, ich kehrte zu meinen Eltern zurück und unser Leben gestaltete sich allmählich sicherer und sorgloser. Mein Vater gründete ein eigenes Geschäft, während meine Mutter eine ärztliche Praxis unweit unserer Wohnung eröffnete. Ich besuchte die Schule und die Universität, heiratete einen wunderbaren Mann, einen einheimischen Rechtsanwalt, brachte drei Kinder zur Welt und wurde Psychotherapeutin.

Meine Eltern lebten und arbeiteten bis zu ihrem Lebensende in London und pflegten den Kontakt zu ein paar Freunden - ausnahmslos ehemalige Flüchtlinge wie sie selbst. Und im Laufe der Jahre stöberten wir eine Handvoll von überlebenden Familienmitgliedern auf, die in alle Winde zerstreut waren.

Vom Augenblick ihrer Ankunft in England an hatten meine Eltern und ihre Brüder in New York und London natürlich alles getan, um mit ihren Eltern in Verbindung zu bleiben und ihnen die Ausreise aus Berlin zu ermöglichen. Aber alle Versuche scheiterten, und im Jahr 1942 wurden meine vier Großeltern deportiert.

Die Eltern meines Vaters verschwanden im Osten. Bertha und ihre Schwester, Gerhard und seine Eltern und viele andere Familienmitglieder wurden nach Theresienstadt gebracht. Manche kamen von dort nach Auschwitz. Einige, wie Berthas Schwester, starben an Hunger oder Krankheit.

Kurz vor Ende des Krieges, im Januar 1945, wurde ein Transport zusammengestellt, mit dem einige Häftlinge in die Schweiz gelangten. Darunter war auch Bertha. Man brachte sie in einem Hotel in Engelberg unter, einem schönen Ferienort hoch oben in den Bergen unweit von Luzern. Von dort aus schickte sie uns Briefe. Während sie auf das Visum wartete, dass ihr die Reise zu ihren Kindern in England oder Amerika ermöglicht hätte, blieb sie in ständigem brieflichen Kontakt mit uns sowie allen anderen überlebenden Verwandten und Freunden. Nichts war schwerer für sie, als wenn sie auf Anfrage nach dem Schicksal von Nahestehenden so oft traurige Auskunft geben musste.

Als ich mit der Durchsicht der alten Briefe von Bertha begann, sah ich vielfach meinen Namen liebevoll erwähnt. Was mich jedoch besonders verblüffte, waren an mich adressierte Briefe und Reaktionen auf Briefe, die ich selbst - mit Zeichnungen versehen -an sie geschrieben hatte. Ich wusste nicht, dass dieser Briefwechsel bis zu ihrem Tod, als ich sieben Jahre alt war, bestanden hatte. Ich nehme an, dass mir meine Mutter aufgetragen hatte, Briefe zu schreiben und Bilder mitzuschicken, und ich muss dies wie eine Schulaufgabe erledigt haben. Ich bin sicher, dass ich keine Erinnerung an sie hatte und mir beim Schreiben keine innere Vorstellung von ihr machen konnte. Ein Baby von acht Monaten hat kein wirkliches Erinnerungsvermögen, und leider war es mir nicht vergönnt, das Briefeschreiben mit der tatsächlichen Person meiner Großmutter zu verbinden.

Da meine Eltern staatenlos waren, verfügten sie weder über Geld noch Reisepässe. Es gelang ihnen daher nicht, die Behörden davon zu überzeugen, dass sie für diese siebzigjährige Frau hätten sorgen können. Die amerikanische Einwanderungsbehörde erwies sich als ebenso unnachgiebig, obgleich Paul bereits mehrere Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt hatte, in der Filmbranche tätig war und angesehene Staatsbürger leichter um Unterstützung ersuchen konnte.
So musste meine Grossmutter mit ansehen, wie ihre Schicksalsgenossen zu ihren Familien in allen Teilen der Welt abreisten, bis sie als eine der letzten in Engelberg verblieb. Schließlich begann sie den Mut zu verlieren. Sie war gestürzt und hatte ihr Handgelenk verletzt, bald darauf fiel sie noch einmal. Eine Fotografie aus der Zeit nach Theresienstadt zeigt, welch eine zerbrechliche, kleine Person aus ihr geworden war. Ihre Kraft war verbraucht und sie starb am 19. Mai 1946, kurz nach ihrem 70. Geburtstag. Es ist eine besondere Tragik, dass zwei Tage zuvor das langersehnte Visum vom britischen Konsulat in Luzern eingetroffen war.

Die Kinder von Hermann und Bertha haben den Holocaust überlebt und sie leben jetzt in ihren drei Urenkelkindern weiter. Jedes trägt das Seine bei zur Heilung der Welt, zum Tikun Olam, wie es im Hebräischen heißt. Meine ältere Tochter arbeitet an einer Universität, wo sie in ihrer Verwaltungsfunktion Lehrkräfte sowie Studenten mit Rat und Tat bei ihrer Arbeit unterstützt.

Unsere jüngere Tochter ist als Künstlerin und Lehrerin auf dem Gebiet der Glasmalerei tätig. Ihr Werk umfasst eine Reihe von herrlichen Fenstern, vornehmlich in Synagogen. Auf der Leinwand sehen Sie zwei ihrer Darstellungen, die das Leid des Exils und die Freude des Überlebens wiedergeben. Sie hat sie mit dem Titel "Und Ein Kind" versehen. Diese Worte standen im Reisepass meiner Mutter und waren auf mich bezogen. Sie verwendet bei der Darstellung Fotoabbildungen dieses Passes mit dem roten J und Hakenkreuzen sowie Bilder von mir mit meiner Mutter und als Erwachsene und ein Bild von sich selbst als Symbol der dritten Generation.

Unser Sohn, das einzige unserer Kinder, das religiös ist und verheiratet, ist Sozialarbeiter - er arbeitet zusammen mit Menschen in verzweifelten Umständen, mit geistig schwer gestörten Kriminellen. Ich bilde mir ein, er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Hermann und hat wohl auch etwas von dessen Charakterstärke geerbt.

Abschließend möchte ich Lara und Elisa dafür danken, dass sie mich eingeladen haben, heute Abend hier mit Ihnen das Leben Hermanns und Berthas zu feiern. Es ist wunderbar, dass wir ihrer gedenken und dass diese Generation junger jüdischer Frauen in Berlin angeregt hat, das Schaffen des Ehepaars Falkenberg zu würdigen und ihr Andenken zu ehren. Ich danke Ihnen.

 

Edna Sovin
Rupture and Loss

At the beginning of the conference Bet Debora inaugurated a memorial plaque for Bertha und Hermann Falkenberg at their last residence Lottumstrasse 22. Edna Sovin, the granddaughter of the Falkenbergs came for this occasion from London to Berlin. The evening before the inauguration (May 21) she held a speech at the Department of Culture of Berlin’s district Prenzlauer Berg. Sovin spoke about her memories of her grand parents and her relationship to Berlin.

Good evening, and thank you for giving me this opportunity to tell you something of the family history of Hermann and Bertha Falkenberg. First I will introduce myself. I am Edna Sovin, their only grandchild. They had two children. The first was Paul, and the second was my mother, Hanna.

Before I continue, I want to welcome two other members of the family who have managed to be here tonight. My dear Aunt, Lotte Falkenberg, has come from New York, to represent her late husband, Paul. And also present is a genuine born Falkenberg, my cousin Gerhard. His grandfather was Hermann’s older brother, Adolph.

In recent years, much has been written about the transmission of the trauma of the Holocaust from one generation to the next. There has been a flood of memorial writing, and a whole genre of Holocaust novels and films.

But my parents belonged to that group of refugees and survivors, who formed the majority, that is, they rarely spoke of their parents or of the past. Occasionally, preparing for a Seder night or an important birthday, would stimulate them to remember happy family occasions of childhood, or old family jokes. Then I would get an impression of the Falkenberg family of a large, lively, intellectually and emotionally engaged and creative family. They prepared celebratory sketches and verses, spoke and read many languages; they were well travelled and eager to learn about every aspect of Jewish and secular culture. But these moments were brief and rare, like snap-shots, just tiny glimpses of a bright world, all of it lost forever.

During my childhood, we were just a family of three. Father, mother and child. There was one Uncle – Paul and his wife, far away in New York, and another uncle – my father’s brother, in London. They had no children. And among my parent’s friends, all refugees, there were no other children of my generation.

When Lara first contacted me, and we began to correspond about the papers and documents I had inherited, I knew little about my grandparents. And it is really through Lara and her researches that I have learned to appreciate how special they were. She has needed to be very patient with me. As I began to handle and read the crumpled papers, and to put them into some kind of order, I would be overcome with such depression that I would have to stop and go away. It would be some time before the wish to know and understand more would again be stronger than the pain.

The more I read, the more I was forced to become aware, and to feel, not only what my grandparents and my parents had suffered, but how much I too had lost. Firstly, of course, all that is implied in the loss of the generation of grandparents; of affection, of emotional security, and support for the parents, and through them for me, their child. This is so common among my generation, that it is rarely noted, and for my contemporaries it seems the natural order of things.

And as I stand here, in Berlin, where I was born, I have to face the massive rupture that occurred in my family, the loss of continuity, memory and culture, and the community that my grandparents and the extended family might have been for me and for my own children.

Let me give you a little historical background to this interesting couple, Bertha and Hermann. Hermann grew up in deep poverty, in a large family in Schlochau, a small town in East Prussia. We have a wonderful memoir of his early life that he wrote as birthday gifts for his two children. He had three great blessings as a child. Firstly, he managed to survive the epidemic of diptheria that killed three of his siblings; Then, due to the positions of the national borders of the time, he had the opportunity to have a decent secular education. and to enter the modern world. Schlochau now has another name, and is in Poland. And last but not least, Hermann had a formidable mother who, although she was uneducated herself, was determined that he should succeed. And so, eventually, he came to Berlin, and met another teacher, Bertha Ginsberg.

She was seven years younger, and the first of three children of a bourgeois family, which had already been established in Berlin for generations. Bertha’s own grandfather, Heinrich Joachimsohn, was a language teacher, known to everyone as Monsieur Henri. In this character he appears in the first known portrait by the well-known impressionist painter Max Liebermann, who lodged with the family when he was a student.

Bertha had a younger sister Hanna, and a little brother, Siegfried. Friedl, as he was known, led an enchanted life. He was the only survivor of a platoon which had been captured in the Balkans during the first World War. Somehow, again, he and his wife escaped to his children in Israel during the Second World War. They, and their two children founded a dynasty there. I have lost count, but I think there are between forty and fifty of their descendants all still living on kibbutzim in northern Israel. I used to see Friedl quite often, and I asked him to write down as much family history as he could. Fortunately he had an excellent memory. He also had great self-confidence and charm, and I guess that these were also Bertha’s characteristics.. My mother used to say, that the generation who grew up before the 1st World War, had a much greater confidence in their world than any who came later.

After Hermann and Bertha met, they had to wait, while he made sure that his sisters were safely married. Only then could he begin to save enough to set up a home for his own bride. When at last, after seven years, they were married, they had their two children, and became the people we are celebrating tonight. In their home, there were two subjects that were never to be discussed. One was money – they new exactly what their limits were on a teacher’s salary, and just lived accordingly. The other taboo subject was illness. The irony of this, is that their daughter, my mother, not only became a doctor of medicine, but married a hypochondriac – my father Fritz. And I learned early in life, that to capture my busy mother’s attention, one should just complain of some kind of physical pain.

Sadly, Hermann died of heart trouble in 1936. I have wondered whether his heart trouble was made worse by the awful disillusionment he would have suffered as he experienced the Germany to which he was so devoted turning against the devoted Jew that he was.

After Hermann’s death, Bertha moved from Lottumstrasse to Charlottenburg with her unmarried sister, Hanna Ginsberg. When my own parents, the younger Hanna and Fritz Beerman, married, they moved in with them. And that is where I spent the first 8 months of my life, while my parents struggled to find an escape route to safety. I don’t need to tell this audience about the terror of those times, and my parents could not be persuaded to say much about it.

But a couple of anecdotes have stayed in my memory. One was of my terrified mother having to beg my father to make him to give up his much-loved rifle, camera and bicycle, when this was ordered. The other detail mother told me, was that for a time, the men would spend the night away from their own homes, in order to evade arrest. They would stay with friends, so that when the Nazis would come to arrest people whose names were listed for that house, they would not bother to arrest those not listed for that address. Growing up in England, I found this bureaucratic mentality very strange.

At last, my parents did get transit visas to England, on the basis that they would then move on to the United States. When I was in my mid-thirties, I tried to imagine what it was like for my parents at that age – having to leave their own parents behind. Now that I am the age of the grandparents, I cannot bear to imagine what it was like for them.

My parents and I arrived in England in May of 1939, and in September of that year War was declared. With all other enemy aliens we were rounded up and taken to Internment camps. We were shipped to an internment camp on the Isle of Man – a charming little place in the sea between England and Ireland. We had been rounded up while mother and I were outside London, and it was weeks before my parents discovered each other’s whereabouts, and many months before they were re-united.

When I asked my mother if she was not terrified; how could she know that this would not be the same as arrest in Germany, she would shrug and say – well, it was just different. (Now I realise that the terror that people experienced in those years was too deep-seated for them to be able to speak about it in later years.)

After 2 and a half years we were released, and my parents were allowed to return to London, and take work again, with some restrictions on their movements. My father worked in engineering factories, and my mother was able to be a doctor again. She worked in the East End of London, through a period of horrific bombing, moving around in the black-out to see her patients. She never talked about that either.

Quite soon after we returned to London, like many thousands of other children, I was evacuated - sent to safety away from London and the worst bombing. I was taken into the homes of kind strangers. I saw my parents for a few hours, once a month, when they were given permission to leave London for a day.

At last, the war ended, and we three were re-united and began to build a safer and more comfortable life. My father established his own business, while my mother set up her medical practice near their home. I went to school and university, married a wonderful British-born lawyer, had three children, and became a psychotherapist.

My parents remained in London for the rest of their long lives, working and keeping in touch with their few friends, who were all former refugees like themselves. And, over the years, we gradually found a few surviving members of the family who had been scattered around the world.

Of course, from the first moment that they landed in England, my parents and their brothers, in New York and London, tried to keep in contact with their parents, and to find a way to get them out of Berlin. But all their attempts failed, and in 1942 all my grandparents were deported.

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