Journal 3 in 2003
Unser Erbe

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Elzbieta Sternlicht
Der Erfolg kam am Ende doch

Fanny Hensels lebenslanger Kampf um professionelle musikalische Anerkennung

Fast alle Aufsätze über Fanny Hensel beginnen mit : die Tochter, Enkelin, Schwester von... Aber Fanny Hensel war eine eigenständige Persönlichkeit: Pianistin, Komponistin, Dirigentin, Gründerin eines Musiksalons, der berühmten Sonntagsmusiken im Hause Mendelssohn. Sie war ja auch Mutter von Sebastian Hensel, Frau von Wilhelm Hensel- Königlich Preußischem Hofmaler, Enkelin von Moses Mendelssohn, Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy und Tochter von Abraham und Lea Mendelssohn. Sie gehörte der berühmten Familie an und war selbst zu einer schillernden Persönlichkeit dieser Familie geworden.

Ihre musikalische Ausbildung im Klavierspiel, Harmonielehre, Kontrapunkt und Kompositionsunterricht genoss sie zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Felix. Sie war begabt, aufgeschlossen und durchsetzungsfähig. Die enge Freundschaft zwischen Fanny und Felix hielt lebenslang - wenn auch nicht ohne Schatten. Fanny wurde am 14. November 1805 in Hamburg geboren und 1816 ließen Eltern alle vier Kinder protestantisch taufen. Als der Vater merkte, dass seine älteste Tochter Fanny, Arm im Arm mit Felix in die Musikwelt eindringen wollte, untersagte er ihr Musik als Beruf auszuüben.

In einem Brief zu Fanny’s Konfirmation 1820 schrieb er aus Paris: “Die Musik könne für sie stets nur die Zierde, niemals Grundbass ihres Seins und Tuns werden.“ Fanny musste es akzeptieren, keiner konnte sich dem Willen des Vaters widersetzten. Sie überließ die Kariere dem geliebten Bruder Felix und hat sich weiter musikalisch entwickelt - nun im“ Kämmerchen“.

Nach der Heirat mit bekanntem Porträt Maler Wilhelm Hensel begann Fanny wieder zu komponieren. Von ihrem Mann bekam sie stets eine große Unterstützung. Sie veranstaltete im Hause Mendelssohn Sonntagsmusiken, die alle Berühmtheiten dieser Zeit wie A. von Humboldt, N. Paganini, L. Spohr, H.Heine, R. von Varnhagen, C. und R. Schumann u. a. besuchten. Wilhelm Hensel porträtierte fast alle, und so entstand ein Zeitzeugnis dieser bewegten kulturellen Aktivität.

Dieser Rahmen diente ihr als Forum, in dem sie ihre künstlerische Fähigkeiten und Qualitäten ausleben durfte. Nur über einen Schatten konnte sie nicht springen. Dem Verbot des Vaters, ihre Musik öffentlich zu spielen. Ihr Ehegatte hat sie zwar stets ermutigt, ihre Werke zu publizieren, aber Felix, der nach dem Tod des Vaters dessen Position übernahm, wollte sie nicht unterstützen. Das hinderte ihn nicht, einige von Fannys Liedern unter seinem Namen zu veröffentlichen und sie sogar zu loben. Manche Forscher meinen, dass der Titel „Lieder ohne Worte“ von Fanny stamme. Sogar die Mutter versuchte, Felix umzustimmen - vergebens.

Erst kurz vor ihrem Tode entschloss sie sich dennoch, manche Kompositionen herauszugeben und als die Entscheidung zu Freude des Ehemannes gefallen war, gab Felix nach.

Sie notierte: „Freitag 14 August 1846 - Endlich hat mir Felix geschrieben, und mir auf sehr liebenswürdige Weise seinen Handwerkssegen ertheilt, weiß ich auch, dass es ihm eigentlich im Herzen nicht recht ist, so freut es mich doch, dass er endlich mir ein freundliches Wort darüber gegönnt hat.“ („Tagebuch“, S. 266)

Die Klavierstücke und Lieder erschienen 1846 in Berlin beim Verlag Boote & Bock unter ihrem eigenem Namen. Für Fanny Hensel hatte diese Entscheidung eine überwältigende Bedeutung. In ihr Tagebuch schrieb sie: „Wie kann man nur verdienen, zu den so wenig Glücklichen in der Welt zu gehören... Ich kann wohl nicht läugnen, dass die Freude an der Herausgabe meiner Musik auch meine gute Stimmung erhöht, bis jetzt habe ich, unberufen keine unangenehme Erfahrung damit gemacht, und es ist sehr pikant, diese Art von Erfolg zuerst in einem Alter zu erleben, wo sie für Frauen ,wenn sie sie je gehabt, gewöhnlich zu Ende sind.“ („Tagebuch“, Februar 1847, S. 274)

Fanny Hensel starb am 14 Mai 1847 in Berlin während einer Probe für die Sonntagsmusiken. Ihr Mann schrieb im Nachruf:

„Am 14 Mai, starb meine geliebte Frau ,Fanny Cäcilia geborene Mendelssohn Bartholdy, nachdem sie wenige Stunden vorher ein Schlaganfall getroffen, von welchem die wetteifernden Bemühungen zweier befreundeter Aerzte sie nicht retten konnten. Ihr Leben war Wahrhaftigkeit, ihr Ende selig. Wilhelm Hensel“

Elzbieta Sternlicht – Pianistin und Dozentin an der Universität der Künste in Berlin, studierte in Warschau und Paris

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