Journal 3 in 2003
Unser Erbe

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Lara Dämmig
Ein kämpferisches Gespann

Bertha und Hermann Falkenberg leisteten Bedeutendes für die Erneuerung jüdischen Lebens in Berlin

Ehrenamtliche Arbeit für die jüdische Gemeinde hat eine lange Tradition - eine Tradition, an die leider immer weniger angeknüpft wird. Wer in die jüdische Geschichte Berlin eintaucht, findet die Namen vieler Jüdinnen und Juden, die sich in der Gemeinde, deren Gremien, in den zahlreichen Synagogen, jüdischen Vereinen, Institutionen und Organisationen engagierten. Ein nachahmenswertes Beispiel ist ohne Zweifel das Ehepaar Falkenberg. Bertha Falkenberg (1876-1946) erwarb sich große Verdienste als Sozial- und Bildungspolitikerin. Im "Jüdischen Adressbuch für Gross-Berlin" von 1931 wird sie zu den "Hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten Berlins" gezählt. Hermann Falkenberg (1869-1936) machte sich um die Wiederbelebung des liberalen Judentums verdient. Sein Grab befindet sich in der Ehrenreihe des Jüdischen Friedhofs in Weißensee.

Bertha Falkenberg und ihren Mitstreiterinnen ist es zu verdanken, dass heute die Teilhabe von Frauen in den verschiedenen Gemeindegremien selbstverständlich ist. Als Mitglied und langjährige Vorsitzende des Berliner Landesverbandes des Jüdischen Frauenbundes setzte sie sich energisch für das aktive und passive Frauenwahlrecht in der Gemeinde ein. Sie gehörte nach den Wahlen zur Repräsentantenversammlung im Jahre 1926 zu den ersten Politikerinnen in einem Gemeindeparlament - nur acht Jahre nach der Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts in Deutschland. Schon bald stellte sie allerdings fest, dass die Repräsentantenversammlung eher der Profilierung einzelner diente denn der ernsthaften Beschäftigung mit den anstehenden Problemen. Sie lehnte es daher ab, sich an "Redetournieren" zu beteiligen und verlangte, dass aus dem "Tummelplatz politischer Auseinandersetzungen" ein Ort wird, wo die Arbeit der Gemeinde wieder in den Mittelpunkt rückt.

Bertha Falkenbergs Anliegen war es, mehr Frauen für die Mitarbeit in der Jüdischen Gemeinde zu motivieren. Schließlich gebe es "kein Gebiet der Gemeindeverwaltung, für das die Frau nicht großes Interesse haben müsse." Das Frauenwahlrecht beinhaltete ihrer Meinung nach auch die Pflicht, "sich über das Judentum, die Gemeinde und alle ihre Angelegenheiten zu unterrichten". Fortbildung betrachtete sie daher - neben der Sozialarbeit - als einen Schwerpunkt der Arbeit des Jüdischen Frauenbundes. Rednerinnenkurse, Schulungen zur Organisation der Gemeinde und der Wohlfahrtspflege sollten Frauen für die Mitarbeit in jüdischen Institutionen qualifizieren.

Das Wirken für die jüdische Gemeinschaft empfand Bertha Falkenberg als die Erfüllung einer religiösen Pflicht. Tief verwurzelt in der jüdischen Tradition, fühlten sich beide Falkenbergs dem liberalen Judentum verbunden. Vertreter dieser Bewegung postulierten schon Mitte des 19. Jahrhunderts die Gleichstellung jüdischer Mädchen und Frauen - allerdings ohne nennenswerte Auswirkungen auf deren Stellung in den Synagogen. Dass in der von Hermann Falkenberg 1923 gegründete "Liberale Synagoge Norden" Frauen und Männer zumindest zusammen sitzen konnten, kam fast einer Revolution gleich. Viele Frauen erklärten, "hier hätte sie zum ersten Male eine wahrhafte Jaumtowstimmung erfasst, da sie an der Seite von Mann und Kind das Gotteswort vernommen hätten." Falkenbergs Anliegen war es, die Mitglieder der in der Schönhauser Allee gelegenen Vereinssynagoge bei der Gestaltung der Gottesdienste einzubeziehen und sie zu befähigen, gottesdienstliche Funktionen selbst auszuüben. Auf diese Weise hoffe er, auch bei denen, die über wenig oder kein jüdisches Wissen verfügten, Interesse und Engagement zu wecken. Ein Besucher aus Charlottenburg beschreibt in einem Zeitungsbericht sehr anschaulich die Atmosphäre: "Der Gottesdienst begann gleich feierlich mit weihevollem Spiel und Chorgesang. Nicht so, dass wie vor einem Rumpfparlament ein im übrigen unverständlich bleibender Artist der Lippenbehendigkeit im Schnellzugstempo lange vor sich hin murmelt... Nein, schon vom ersten Worte an wirkte der stark gekürzte und inhaltlich wohl erwogene Vortrag der besten Teile unserer Andacht ... erwärmend und erbauend."

Nach Falkenbergs Tod im Jahre 1936 erhielt die Synagoge seinen Namen, den sie bis zu ihrer erzwungenen Schließung 1938 führte. Bertha Falkenberg überlebte ihren Mann um mehrere Jahre. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebte und starb 1946 in der Schweiz.

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