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Lara Dämmig
Ein kämpferisches Gespann
Bertha und Hermann Falkenberg leisteten Bedeutendes
für die Erneuerung jüdischen Lebens in Berlin
Ehrenamtliche Arbeit für die jüdische Gemeinde
hat eine lange Tradition - eine Tradition, an die leider immer weniger
angeknüpft wird. Wer in die jüdische Geschichte Berlin eintaucht,
findet die Namen vieler Jüdinnen und Juden, die sich in der Gemeinde,
deren Gremien, in den zahlreichen Synagogen, jüdischen Vereinen,
Institutionen und Organisationen engagierten. Ein nachahmenswertes Beispiel
ist ohne Zweifel das Ehepaar Falkenberg. Bertha Falkenberg (1876-1946)
erwarb sich große Verdienste als Sozial- und Bildungspolitikerin.
Im "Jüdischen Adressbuch für Gross-Berlin" von 1931
wird sie zu den "Hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten
Berlins" gezählt. Hermann Falkenberg (1869-1936) machte sich
um die Wiederbelebung des liberalen Judentums verdient. Sein Grab befindet
sich in der Ehrenreihe des Jüdischen Friedhofs in Weißensee.
Bertha Falkenberg und ihren Mitstreiterinnen ist es zu verdanken, dass
heute die Teilhabe von Frauen in den verschiedenen Gemeindegremien selbstverständlich
ist. Als Mitglied und langjährige Vorsitzende des Berliner Landesverbandes
des Jüdischen Frauenbundes setzte sie sich energisch für das
aktive und passive Frauenwahlrecht in der Gemeinde ein. Sie gehörte
nach den Wahlen zur Repräsentantenversammlung im Jahre 1926 zu den
ersten Politikerinnen in einem Gemeindeparlament - nur acht Jahre nach
der Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts in Deutschland. Schon
bald stellte sie allerdings fest, dass die Repräsentantenversammlung
eher der Profilierung einzelner diente denn der ernsthaften Beschäftigung
mit den anstehenden Problemen. Sie lehnte es daher ab, sich an "Redetournieren"
zu beteiligen und verlangte, dass aus dem "Tummelplatz politischer
Auseinandersetzungen" ein Ort wird, wo die Arbeit der Gemeinde wieder
in den Mittelpunkt rückt.
Bertha Falkenbergs Anliegen war es, mehr Frauen für die Mitarbeit
in der Jüdischen Gemeinde zu motivieren. Schließlich gebe es
"kein Gebiet der Gemeindeverwaltung, für das die Frau nicht
großes Interesse haben müsse." Das Frauenwahlrecht beinhaltete
ihrer Meinung nach auch die Pflicht, "sich über das Judentum,
die Gemeinde und alle ihre Angelegenheiten zu unterrichten". Fortbildung
betrachtete sie daher - neben der Sozialarbeit - als einen Schwerpunkt
der Arbeit des Jüdischen Frauenbundes. Rednerinnenkurse, Schulungen
zur Organisation der Gemeinde und der Wohlfahrtspflege sollten Frauen
für die Mitarbeit in jüdischen Institutionen qualifizieren.
Das Wirken für die jüdische Gemeinschaft empfand Bertha Falkenberg
als die Erfüllung einer religiösen Pflicht. Tief verwurzelt
in der jüdischen Tradition, fühlten sich beide Falkenbergs dem
liberalen Judentum verbunden. Vertreter dieser Bewegung postulierten schon
Mitte des 19. Jahrhunderts die Gleichstellung jüdischer Mädchen
und Frauen - allerdings ohne nennenswerte Auswirkungen auf deren Stellung
in den Synagogen. Dass in der von Hermann Falkenberg 1923 gegründete
"Liberale Synagoge Norden" Frauen und Männer zumindest
zusammen sitzen konnten, kam fast einer Revolution gleich. Viele Frauen
erklärten, "hier hätte sie zum ersten Male eine wahrhafte
Jaumtowstimmung erfasst, da sie an der Seite von Mann und Kind das Gotteswort
vernommen hätten." Falkenbergs Anliegen war es, die Mitglieder
der in der Schönhauser Allee gelegenen Vereinssynagoge bei der Gestaltung
der Gottesdienste einzubeziehen und sie zu befähigen, gottesdienstliche
Funktionen selbst auszuüben. Auf diese Weise hoffe er, auch bei denen,
die über wenig oder kein jüdisches Wissen verfügten, Interesse
und Engagement zu wecken. Ein Besucher aus Charlottenburg beschreibt in
einem Zeitungsbericht sehr anschaulich die Atmosphäre: "Der
Gottesdienst begann gleich feierlich mit weihevollem Spiel und Chorgesang.
Nicht so, dass wie vor einem Rumpfparlament ein im übrigen unverständlich
bleibender Artist der Lippenbehendigkeit im Schnellzugstempo lange vor
sich hin murmelt... Nein, schon vom ersten Worte an wirkte der stark gekürzte
und inhaltlich wohl erwogene Vortrag der besten Teile unserer Andacht
... erwärmend und erbauend."
Nach Falkenbergs Tod im Jahre 1936 erhielt die Synagoge seinen Namen,
den sie bis zu ihrer erzwungenen Schließung 1938 führte. Bertha
Falkenberg überlebte ihren Mann um mehrere Jahre. 1942 wurde sie
nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebte und starb 1946 in der
Schweiz.
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